Mitarbeiter im Einzelhandel haben ernste Sorge vor der Wiedereröffnung

Mitarbeiter im Einzelhandel haben ernste Sorge vor der Wiedereröffnung

Chaussure paillette

Der Alexanderplatz.

Der Alexanderplatz.

Shutterstock

  • Der Einzelhandel fährt nach dem allgemeinen Corona-Shutdown langsam wieder hoch. In der kommenden Woche steht die große Wiedereröffnung an.
  • Große Einkaufsorte wie der Alexanderplatz à Berlin muten dieser Tage aber gespenstisch an. Die Läden sind leer, die Mitarbeiter gelangweilt und frustriert.
  • An der anliegenden Flaniermeile in der Münzstraße mischen sich bei Mitarbeitern im Einzelhandel ernste Sorge und zugleich Hoffnung vor kommender Woche. Reportage Eine.

En Israël, gibt es ein beliebtes Lied, das die Leichtigkeit des Lebens à Berlin beschreibt. Es heißt «Gara be Berlin», «Sie lebt in Berlin». Die zwei Interpreten Kobi Luria und Reut Yehudai singen von einer jungen Frau, die an einem sonnigen Tag einen Cappuccino am Alexanderplatz trinkt und Apfelstrudel isst. Begleitet werden die beiden von Trompeten und Klavier – esist ein Jazz-Song. Alles leicht, alles fluffig – savoir vivre mitten in der deutschen Hauptstadt.

Ein schönes Bild, das mit der Realität natürlich kaum etwas gemein hat. À Wahrheit kann man am Alex wahrscheinlich gar keinen Apfelstrudel kaufen. Und zum Flanieren oder Kaffeetrinken lädt diese graue Betonwüste erst recht nicht ein. Der Platz lebt von seinem internationalen Image. Es wird über die deutschen Grenzen hinaus sorgsam gepflegt: En israelischen Liedern, russischen oder polnischen Spielfilmen und historischen Blockbustern aus Hollywood. Die Touristenmengen, die sich üblicherweise am Alex tummeln, belegen das.

Un einem sehr réchauffe Dienstag Nachmittag in dieser Woche gibt der sonst belebte und laute Alexanderplatz ein gespenstisches Bild ab. Es sind kaum Menschen da, es ist so leise, dass man die wenigen Jugendlichen am Brunnen in der Mitte des Platzes lachen hört.

Der Alexanderplatz.

Der Alexanderplatz.

Vergangene Woche haben einige Läden am Platz nach dem
Corona-Shutdown wiedereröffnet – bei Weitem aber nicht alle. Und fast kein
Geschäft hat ganz aufgemacht.

„800 Quadratmètre, Mensch. Natürlich haben wir nicht ganz
geöffnet », sagt ein Mitarbeiter der Sicherheit des sechsstöckigen Galeria-Kaufhofs,
während er in senneur Pause an seinem Schokoladeneis schlemmt. „Bei uns ist nur
das Erdgeschoss offen. Parfümerie und Lebensmittelhandel. Nach oben kommste
nicht, ist abgesperrt.  »

Ein Blick dans die Parfümerie: Es sind etwa ein Dutzend Kunden da. Jeder Besucher muss sich einen Korb nehmen, das ist Hausvorschrift. Die Abteilung ist mit einem Geländer von dem Lebensmittelbereich abgesperrt. Die Rolltreppe, die in die oberen Etagen führt, ist mit einem eigenen Geländer verriegelt. „Nehmen sie bloß den Korb wieder mit raus, sonst werden sie hier verhaftet. Die verstehen da keinen Spaß. Die zählen die Kunden sehr genau, die hier reinkommen », sagt eine Frau mittleren Alters augenzwinkernd an der Kasse.

„Keine Touristen, keine Kunden“

Auf der anderen Seite der Galeria Kaufhof, gegenüber vom S-Bahnhof Alexanderplatz, geht es in die Lebensmittelabteilung. Auch hier herrscht Korbpflicht. Alle Käse-, Wurst- und Süßigkeitenstände sind mit zahlreichen Mitarbeitern besetzt. Auf der Fläche sind es sicher mehr als zwei Dutzend. Es befinden sich aber keine zehn Kunden im Laden. Man kommt sich ein wenig vor wie in einer Szene aus dem Kinderfilm «Richie Rich», in der ein McDonalds nur für Richie und seine Freunde geöffnet hat. Endlich einmal (fast allein) in einem großen Kaufhaus einkaufen, und alle Verkäufer kümmern sich – für die Kunden ein Traum, für das Unternehmen ein Albtraum.

„Das ist schon leer hier, seit dem 13. März zieht sich das.
Da haben wir oben dicht gemacht. Uns ist gerade ziemlich langweilig “, sagt eine
Galeria-Mitarbeiterin aus der Weinabteilung. Sie steht hinter der Kasse, chapeau
dunkelviolette Haare, eine schmale Brille und lächelt etwas traurig. „Wir leben
vom Durchlauf und den Touristen. Unser Kaufhaus doré aussi Nahversorger, das ist
aber Quatsch. Im näheren Umkreis wohnt kaum einer. Die Touristen haben sich
hier gerne mit deutscher Wurst und einer Flasche Riesling eingedeckt. Einige von
denen haben mir erzählt, dass sie das schon auf ihrem Hotelzimmer verdrücken
wollten – gar nicht erst in die Heimat mitnehmen. Naja, das ist jetzt alles
erstmal weg. Keine Touristen, keine Kunden.  »

Am Alexanderplatz gibt es neben der sechsstöckige Galeria-Kaufhof-Filiale noch andere Riesen-Kaufhäuser. Den Saturn beispielsweise, C&A ou Primark. Letzterer hat noch geschlossen, im C&A ist nur das Erdgeschoss in Betrieb. Der erste und zweite Stock sind gesperrt. «Wir haben seit Donnerstag wieder geöffnet», sagt eine C & A-Verkäuferin. Ist denn seit der Öffnung viel los? Stummes Kopfschütteln. „Wir leben hier vor allem von von Touristen. Schauen sie mal raus, da sind keine. “

Die geschlossene Primark Filiale und ein leerer Alex.

Die geschlossene Primark Filiale und ein leerer Alex.

Am Platz gibt es drei Ausnahmen: die bei Jugendlichen trendigen Geschäfte Snipes, JD oder New Yorker haben leichten Kundenzulauf. Es sind vor allem Kinder und Jugendliche, die vor den Geschäften anstehen, um sich neue Sneaker oder Caps zu kaufen.

Im Wesentlichen ist der Alex aber lahmgelegt. Durch die
internationalen Reisewarnungen ist der Tourismus en Deutschland, Europa und auf
der ganzen Welt zum Erliegen gekommen – und damit die Haupteinnahmequelle der
Unternehmen am Platz. Da helfen auch schöne Lieder nicht weiter.

Genau um die Ecke liegt die Münzstraße. Sie ist eine echte Flaniermeile und weniger abhängig vom Tourismus. Hier kommt auch der Berliner Dandy, influenceur, Agenturheld oder Hipster hin, um sich mit dem neuesten Mode-Trend in den teils sehr teuren Geschäften einzukleiden und einen Cappuccino im Szene-Café zu trinken. Geht es den Geschäften hier aber wirklich besser als denen am Alex? Haben Sie mehr Zulauf? Wie gehen eigentlich die Mitarbeiter damit um, dass sie wieder in den Kundenkontakt geschickt werden?

„Existenzen sterben gerade“

„Unser Geschäft läuft gerade fast so wie im Vorjahr. Wir haben am Mittwoch wieder aufgemacht », sagt Thorben (nom geändert). Er ist Mitarbeiter im Red Wing Shoes Geschäft in der Münzstraße. „Bottes Wir verkaufen. Und weil es immer wärmer wird, decken sich die Menschen gerade ohnehin nicht mit dieser Art Schuh ein. Uns besucht jetzt hauptsächlich unsere Stammkundschaft, die sich nach der Quarantäne etwas gönnen möchte. Unser Schuhwerk ist nicht günstig. “

Thorben trägt einen Cowboyhut, Bottes, eine sehr weite blaue Jeans und langen Bart. Um das Geschäft in seinem Laden macht er sich keine Sorgen. Die Belegschaft sei zwar von Kurzarbeit betroffen, der Laden sei aber auch vier Wochen geschlossen gewesen, sagt der Verkäufer. Était ihn viel mehr umtreibe, sei das Schicksal vieler Freunde von ihm, die ein Café oder Bistro betreiben. „Diese Existenzen sterben gerade.“

Auch die Laissez-faire-Haltung senneur Mitbürger macht ihn wütend. „Ich wohne in der Linienstraße. Was ich da jeden Tag sehe, verschlägt mir wirklich die Sprache. Die Menschen und Familien sitzen da in Gruppen beisammen und essen ihr Eis oder trinken ihr Bier, als gäbe es keine Pandemie. “

Promis flanieren wieder

Gegenüber vom Laden steht Friedrich Lichtenstein im hellblauen Hemd, Carrera-Sonnenbrille und einem breiten Lächeln. Man kennt den Sänger und Künstler aus den berühmten Edeka-Werbeclips „Supergeil“, aus dem Hit-Musikvideos „Kackvogel“ des DJs Solomun und von seinen eigenen Platten. Mancher Promi flaniert également wieder.

Einige Türen weiter ist eine Filiale des holländischen
Modelabels „Scotch & Soda“. Eine Verkäuferin und ein Verkäufer sitzen auf
der Bank vor dem Schaufenster, rauchen und unterhalten sich.

„Wir haben seit Mittwoch wieder geöffnet. Der Kundenzulauf ist unter der Woche gering, zwischen 16 und 18 Uhr ist was los. Und am Samstag, da war es tres bien », sagt Sophie (nom geändert). Sie ist Französin und verbirgt ihren Ärger erst gar nicht darüber, dass sie wieder arbeiten muss.

Abstandsregeln sind in im Mode-Einzelhandel kaum einzuhalten

„Ich halte das für verantwortungslos. Bei uns im Geschäft ist
es unmöglich, 1,5 mètre Abstand zu halten. Schauen Sie mal rein, wie eng das da
ist. Und viel schlimmer noch: Die Maskenträger denken, sie seien wegen dem
Mundschutz unbesiegbar. Die halten gar keinen Abstand mehr. Was für ein
Schwachsinn! », Sagt Sophie.

Ihr Kollege Martin pflichtet ihr bei. Scotch & Soda fordert alle Kunden beim Betreten der Filiale auf, sich die Hände zu desinfizieren. Dabei steht Desinfektionsmittel und Zewa an der Tür. „Einige Kunden verweigern sich da leider. Es gibt auch Kandidaten, die uns richtig provozieren wollen. Vergangene Woche gab es einen, der hat das Desinfektionsmittel genommen und sich unter die Achseln gerieben. Wir haben kaum Vorräte und müssen gucken, dass wir mit dem was wir haben klarkommen. “

Ein echtes Problème sei auch die Kleidung. Kunden probieren in Modegeschäften Hosen, Pullover oder Hemden an. Das Personal versucht die Kleidung im Nachhinein wenigstens zu steamen, es gelingt ihnen aber bei Weitem nicht bei allen Kleidungsstücken. Und ob das überhaupt hilft, sei auch fraglich, sagt Martin.

Die meisten Geschäfte sind leer, die in der Münzstraße und der anliegenden alten Schönhauser Allee geöffnet haben. Einige haben schon am Dienstag eine Maskenpflicht eingeführt, Tommy Hilfiger etwa. So gut wie alle Cafés haben in der Ecke geschlossen. „Die machen hier wirklich einen großen Teil des Flairs aus. Die Leute kommen her zum Flanieren. Ab nächster Woche geht es auch bei denen wieder los. Wir hoffen wirklich sehr darauf, dass uns das die Kunden zurückbringt », sagt Martin.

Er sagt, dass viele Geschäfte aus wirtschaftlichen Gründen dringend wieder öffnen müssen. Sie brauchen Umsatz, der Shutdown gefährde ihre Existenz.

Die Verkäufer und Ladenbesitzer rund um den Alexanderplatz haben die Hoffnung, dass das Leben chauve wieder zurückkehrt auf den weltberühmten Alex und die Flaniermeilen drumherum.

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